19.06.2019

"Wer sich an alte Verlagsstrukturen klammert, verliert schnell den Anschluss"

Für das Sonderheft "Working Inside AV" - powered by Professional System - steht Juliana Luib Rede und Antwort zu den Arbeitsbedingungen bei der EBNER MEDIA GROUP.

Lesen Sie hier das Interview:

Marcel Courth: In welchen Bereichen kann man sich bei Ebner ausbilden lassen und in die Berufswelt starten?

Juliana Luib: Für Schulabgänger mit Hochschulreife bieten wir duale Studienplätze in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg an. Die Studenten erwerben im wechselnden Rhythmus Theoriewissen an der Hochschule und Praxiserfahrung bei uns im Unternehmen. Mit Bestehen der Prüfungen führt das duale Studium nach drei Jahren zum international anerkannten Bachelor-Abschluss. Mindestens einen dualen Studienplatz pro Jahr vergeben wir in der Studienrichtung BWL – Medien- und Kommunikationswirtschaft. Außerdem bieten wir auch für Young Professionals einen Einstieg in die Medien- und Verlagsbranche über unsere Trainee- und Volontariats-Stellen. Das klassische Volontariat wird im redaktionellen Bereich einer Medienmarke absolviert, während die Trainee-Stelle vorwiegend im kaufmännischen Bereich angesiedelt ist (z.B. Trainee für Event-Management, Media Sales).

Welche Charakter- und Kerneigenschaften sollte man als Bewerber mitbringen, um bei der Ebner Media Group zu überzeugen und sich erfolgreich behaupten zu können?

Flexibilität und Offenheit für Neues sind für mich die zwei Hauptkriterien. In Zeiten der Digitalisierung verändert sich die Arbeitswelt so rasant. Wir entwickeln uns ständig weiter, die Mitarbeiter müssen sich in neue Tools einarbeiten und immer wieder neue Kanäle bespielen. Wer sich an alte Verlagsstrukturen klammert, verliert hier schnell den Anschluss. Zudem sind Querdenker jederzeit willkommen, die Sachverhalte kritisch hinterfragen, neue Zusammenhänge und Symbiosen bilden.

Die Vermittlung und das Teilen von Know-how sowie Information zählen in vielen Unternehmen als Achillesferse. Gleichzeitig werden fehlende Information und Weiterbildungsmöglichkeiten immer als Gründe für Frustration und innere Kündigungen angegeben. Die Ebner Media Group hat eine interne Academy gegründet und betreibt einen Blog - was hat es damit auf sich?

Genau, wir bieten eine sogenannte „Ebner Academy“ an, sie ist für alle Mitarbeiter (m/w/d) unabhängig von Funktion oder Abteilung geeignet. Die Weiterbildungsinhalte werden entweder in Form von Präsenzveranstaltungen oder über Webinare vermittelt. Immer mittwochs finden unsere Webinare statt, in denen Mitarbeiter als Referenten fungieren und das Ebner-spezifische Know-how an ihre Kollegen übermitteln. Beispielsweise erklärt der Head of Content Engineering, wie SEO-optimierte Themenseiten gebaut werden müssen. Jeder Mitarbeiter kann sich zu der Schulung online einloggen und auch Fragen stellen. Durch die Webinar-Lösung können wir alle Mitarbeiter an unseren sieben bundesweiten Standorten live schulen. Und wer nicht dabei sein kann, schaut sich im Nachgang die Videoaufzeichnung an. Mit jeder Webinar-Teilnahme bekommen die Mitarbeiter außerdem fünf Credits auf ihr Benutzerkonto gutgeschrieben. Diese verschaffen wiederum Zugang zu ganz individuellen Weiterbildungsmaßnahmen je nach Bedarf. Bei Präsenzveranstaltungen bedienen wir uns auch an externen Referenten, beispielsweise bekommen alle Volontäre die Möglichkeit am vierwöchigen Volontärskurs an der Akademie für Publizistik in Hamburg teilzunehmen.

Der New Ebner Blog ist eine weitere Austauschplattform für alle Mitarbeiter zu sämtlichen New Ebner Themen. In täglichen Posts berichten wir über strategische Entwicklungen, neue Tools und geben How-To-Anleitungen an die Hand.

Die Medienlandschaft entwickelt sich stetig weiter und die Anforderungen an einen Journalisten bzw. Redakteur sind ganz andere als noch vor 20 Jahren. Die Ebner Media Group wurde 2018 als Innovator des Jahres im Bereich Internet, Medien und Kommunikation von Brand Eins und Statista ausgezeichnet. Wie spiegelt sich das in der Unternehmenskultur wider und speziell auch in den Arbeitsstrukturen?

Ein prägendes Beispiel für Innovation in unserer Arbeitsstruktur ist unser eigens entwickeltes Tool namens „Content Planner“. Unser Geschäftsführer Gerrit Klein hat dieses Tool speziell für unsere Anforderungen entwickelt. Der Content Planner vereint die Content Erstellung wie auch die Content Distribution und erleichtert damit den Arbeitsalltag unserer Redakteure. Im Content Planner sind alle Ebner Konzepte zur erfolgreichen Content-Erstellung hinterlegt, sodass die Redakteure folgende 5 Fragen beantworten und mit dem Content Planner umsetzen können:

Für wen genau erschaffe ich eigentlich den Content? (Personas) Was ist das Ziel dieses Contents, was will ich damit erreichen? (Content Goals; Reach, Conversion, Visibility) Auf welche Zielgruppenbedürfnisse konzentriert sich dieser Content? (Keywords) Welchen Content habe ich überhaupt? (Minimum Information Units) Wo und wann will ich diesen Content distribuieren? (Multi-Channel-Distribution)

Damit wird der Prozess der Content-Erstellung in redaktionelle Leitplanken gegossen, wodurch unsere Redakteure „Intelligent Content“ generieren. Warum Intelligent? Der Content wird auf analytischer Grundlage erstellt, er wird passgenau für Personas, also für unsere Zielgruppen und deren Subsegmente erstellt, immer mit einem klaren Ziel. Der Content wird nicht als Ganzes, sondern als Summe von Elementen konzipiert und er wird dadurch von Anfang an auf die Distributionskanäle ausgerichtet.

In der Generation Y und Z spielt die Work-Life-Balance eine entscheidende – wenn nicht die wichtigste – Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers. Sicherlich auch ein aktuelles Thema bei der Ebner Media Group?

Ja, wir versuchen natürlich diese Generation mit unseren Arbeitsbedingungen abzuholen. Wir haben beispielsweise die Vertrauensarbeitszeit eingeführt, bei der der Mitarbeiter das Recht hat, seine Arbeitszeit selbst zu bestimmen. Vertrauensarbeitszeit bedeutet, dass die Erledigung vereinbarter Aufgaben im Vordergrund steht, nicht die zeitliche Präsenz des Mitarbeiters. Es ist ein Modell der Arbeitsorganisation, nicht der Arbeitszeit. Der Mitarbeiter ist selbst für die Gestaltung der Arbeitszeit verantwortlich. Die Geschäftsführung vertraut dabei auf das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen Mitarbeiters. Dennoch muss man sich an gewisse Kernarbeitszeiten halten, um einen reibungslosen Arbeitsablauf zu gewährleisten. Mit diesem flexiblen Arbeitsmodell bieten wir dem Mitarbeiter die Möglichkeit, seine Arbeitszeit und Freizeit nach seinen persönlichen Bedürfnissen einzuteilen.

Zudem bieten wir unseren Mitarbeitern bei Bedarf auch Homeoffice-Arbeitsplätze an, sodass das Privat- und Arbeitsleben gut vereinbar wird. Gerade auch Mütter nehmen eine Homeoffice-Lösung gerne an, um den Einstieg ins Berufsleben nach der Elternzeit zu erleichtern.

Auch denken wir an die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Mitarbeiter, beispielsweise gibt es wöchentlich frische Obstkörbe an unseren Standorten.

 

Zur Person:

Juliana Luib
Position: Human Resources Management
Ausbildung: Bachelor of Arts, Studiengang BWL - Medien und Kommunikation
Persönlicher Tipp für Einsteiger: Bleiben Sie authentisch, bleiben Sie Sie selbst! Nur so können Sie die HRler überzeugen. 

 

Das Interview erscheint im aktuellen Sonderheft "Working Inside AV" von Professional System, ein Magazin für AV-Systemintegration.